Dehnen,
ein heiss diskutiertes Thema!!
Autor: Christoph von Duisburg Zu
wenig wissenschaftliche Ansätze und viele Hypothesen machen es Schwer ein
klares Bild über die Wirksamkeit von Stretching zu erhalten. Deshalb hier
ein paar Informationen zum derzeitigen Stand der Dinge. Wichtig
ist, dass es bisher nicht genügend Beweise gibt, um sicher zu sagen, dass
Stretching: -
Verletzungen verhindert - Muskelruhespannung verringert - Muskelungleichgewichte
vermindert - Muskelverkürzungen reduziert - Muskelleistung steigert
(Kraft und Energie) Völlig
berechtigt werden sich jetzt viele Leser die Frage stellen, welche positiven Effekte
Stretching überhaupt zu bieten hat. Stretching
kann die Flexibilität des Muskels erhöhen und so für ein vergrössertes
Bewegungsausmass sorgen. Genannt wird das eine Erhöhung des ROM (Range of
motion). Dieses vergrösserte Bewegungsausmass kommt durch eine erhöhte
Dehnungstoleranz zustande und nicht durch eine wirkliche Verlängerung des
Muskels. Weshalb das so ist und welche Mechanismen dies Zugrunde liegt ist noch
nicht Ausreichend geklärt. Man vermutet das genau diese Mechanismen, die
für eine erhöhte Dehnungtoleranz sorgen, auch für die linderne
Wirkung auf müde und empfindliche Muskeln von Patienten und Sportlern verantwortlich
ist. Kurz
möchte ich auf drei relevante Themen eingehen. Frage
Eins: Verbesserung der sportlichen Leistung??? Nach
wissenschaftlichen Untersuchungen hat man festgestellt, das bei Sportarten mit
Kraft sowie explosiver Kraftproduktion jeweils die Gruppen in denen ausser Laufen
und Springen auch Gestretcht wurde, keinen positiven Nutzen daraus ziehen konnten.
Ganz im Gegenteil, erzielte diese Gruppe sogar die schlechtesten Resultate, gegenüber
der Kontrollgruppen in denen nur Gelaufen bzw. in welcher Gelaufen und Gesprungen
wurde. Deshalb muss die Frage immer lauten, was möchte ich Erreichen.
In Sportarten in denen ein erweitertes Bewegungsausmass gefordert ist, so zum
Beispiel beim Bodenturnen, Ballet, Kampfsport, usw. ist Stretching ein wichtiger
Bestandteil um seine Leistung erbringen zu können! Frage
Zwei: Verlängerung des Muskels durch Stretching??? Ein
häufiges Problem sind die sogenannten Muskeldysbalancen. Es wird Ausgemacht
das es einen verkürzten und einen abgeschwächten Muskel gibt (gesprochen
wird von Agonist und Antagonist). Diese Betrachtungsweise klingt logisch führt
aber zu einem Irrtum, da jetzt meist der verkürzte Muskel gedehnt wird, was
wie vorhin besprochen nicht möglich ist. Stattdessen müsste die Lösung
lauten, den Gegenspieler (Antagonist) zu Kräftigen. Weshalb das so ist, ist
sehr Wissenschaflich (Fragen Sie doch mal Ihren Physiotherapeuten). Das Ergebniss
ist ein Gegenspieler mit mehr Kraft und höherer Ruhespannung. Somit kann
die Dysbalance ausgeglichen werden. Sollte
man zur Gruppe gehören, welche Stretching für Regeneration oder zur
Verbesserung ihrer Leistungsfähigkeit benötigt, ist es sehr wichtig
die richtige Position für die Dehnung einzunehmen, um andere Körperregionen
nicht unnötig zu Belasten oder sie sogar zu Schädigen!! Frage
Drei: Dehnen als Verletzungs- und "Muskelkater" prophylaxe?
Beim
Dehnen muss man unterscheiden zwischen kurzfristigen und langfristigen Effekten.
Unmittelbar nach dem Dehnen steigt die Gelenkreichweite messbar. Dies ist aber
vorwiegend auf eine höhere Dehnungsspannungstoleranz und nicht etwa auf bestimmte
Veränderungen im Muskel zurückzuführen. Bei intensiven Dehnprozeduren
kommt es zu enormen mechanischen Spannungen im Muskel, die alleine schon Muskelkater
(=DOMS: delayed onset muscle soreness) bewirken oder verstärken können.
Zusätzlich konnten Untersuchungen von WIEMANN und KLEE zeigen, dass Schnellkraftleistungen
unmittelbar nach statischem (also gehaltenem) Dehnen schlechter sind (und zudem
ein DOMS provoziert wird). Ein
nicht allzu intensives dynamisches ("federndes") Dehnen in der Übungsvorbereitung
zur Vergrößerung der Flexibilität und zum Absenken der passiven
Muskelspannung ist vertretbar. Intensives Dehnen sollte nur vor Trainingseinheiten
und Wettkämpfen in Sportarten stattfinden, in denen die Beweglichkeit eine
leistungsbestimmende Komponente darstellt, etwa beim Turnen, Kampfsport oder Hürdenlauf.
Aber auch hier sollte weniger statisch im Sinne des Stretching als
vielmehr dynamisch gedehnt werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass durch dynamisches
Dehnen eine noch größere Beweglichkeit, sprich größere Gelenkreichweite,
erreicht werden kann als durch gehaltenes Dehnen. Nicht
nur vor, auch nach einem Krafttraining sollte statisches Dehnen vermieden werden,
da trainingsbedingte kleinste Verletzungen (Mikrotraumen innerhalb der Muskelfaser
im Bereich der sog. Z-Linien aufgrund exzentrischer Muskelarbeit) verstärkt
werden und somit ein Muskelkater (DOMS) provoziert bzw. verstärkt wird. Das
gilt übrigens auch für das Bergablaufen, wie KOLLER et al zeigen konnte.
Ein solches stellt eine nicht zu unterschätzende exzentrische Muskelbelastung
dar, ebenso das "Abbremsen" nach Sprint-Intervallen. Es
stellt sich die Frage, wann ein Dehntraining "schädlich" sein kann.
Wenn man sehr intensiv und lange dehnt, kommt es zum Creeping-Phänomen und
die Muskel-stiffness nimmt ab. Dadurch ist eine gewisse Verletzungsgefahr gegeben.
Ich
hoffe dieser kleine Einblick hat ihr Interesse geweckt. Für Fragen sind wir
jederzeit erreichbar. Christoph
von Duisburg.
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